Mit der "Logik der Globalisierung" befasse ich mich schon seit Jahren. Genau genommen bin ich über die Doktorarbeit von Bettina Schmidt zur Geschichte der Kulturentwicklungen in Südafrika und das Buch von Fernand Braudel zum "Aufbruch zur Weltwirtschaft" auf diese Thematik gestoßen. Weshalb aber eine spezielle "Logik" der Globalisierung? Reicht die normale Logik nicht aus?

Mittlerweile spüren wir alle die Globalisierung an allen Ecken und Kanten unserer Lebenswelten. Sie wird, je nach dem Status der Betroffenheit, als Hölle oder Paradies empfunden. Über das Internet und besonders das "World Wide Web" - WWW - haben selbst Kinder über den Computer Zugang zu dieser neuen Wirklichkeit. Unternehmen, besonders den sog. "Global Player", verheißt sie neue unbegrenzte Märkte und grenzenlose Profite. Ihren Gegenspieler, den Politikern, ist sie dagegen gewöhnlich ein Dorn im Auge, denn sie schleift gnadenlos die autarke Machtbasis in den modernen Nationalstaaten. Die "bewegten" Anti-Globalisierungskräfte spielen derweilen Don Quixote und kämpfen gegen Windmühlenflügel. Wir werden die Globalisierung wohl nie mehr los. Doch weshalb eine eigene Logik?

Wer die Erde als Scheibe gewohnt ist, wird sie nicht als Kugel verstehen wollen. Doch der Erdkugel oder dem "Globus" wird man keine eigene Logik ihrer Wirklichkeit zusprechen . Ob flach oder rund, so die vorherrschende Meinung, das ändert doch nichts an der Logik!

Soziologen, Kulturwissenschaftler, Wirkschaftsgeographen und Ökonomen haben jedoch ein Phänomen der Globalisierung ausfindig gemacht, welches sie als "Glokalität" bezeichnen. Es beinhaltet eine Paradoxie, nämlich "global" und "lokal" zugleich zu sein. Vor einigen Jahren wurde von einer bekannten privaten Wirtschaftshochschule in Deutschland eine Konferenz zum Thema: "The Art of Being Local Worldwide", abgehalten. Was soll man sich darunter vorstellen?

Stellen Sie sich einen Globus vor, den man drehen kann, und suchen Sie sich irgendeine Lokalität aus. "Glokal" bedeutet dann, dass in diesem Punkt der ganze Globus ALS diese Lokalität vorhanden ist; und dies gilt für alle unendlichen vielen Lokalitäten des Globus. Umgekehrt besteht die Globalität als Produkt oder unendliche Summe aller Lokalitäten. Sonderbare Logik, würde die meisten Menschen meinen, wie soll denn so etwas möglich sein? Fragen Sie einmal Menschen der diversen Kulturen auf Erden, wie sie diese "Logik der Glokalität" empfinden. Sie wissen es alle, denn die Globalität infiltriert jede Kultur-Lokalität "ganz".

Immer noch skeptisch ob dieser "Logik der Globalisierung"? Dabei ist sie bekannt und wird überall verwendet, besonders im Internet. Doch sie erscheint in Wirklichkeitsbereichen, von denen niemand annehmen würde, sie hätte etwas mit der ökonomischen, politischen und kulturellen Globalisierung zu tun. es handelt sich um die Fouriertransformation, das tägliche "Brot und Butter" der Nachrichtentechniker und Physiker. Ihre Wirkungsweise kann man sich folgendermaßen vorzustellen versuchen:

Diese Abbildung stammt aus einem Buch des Physikers Wolfram Schommers. Es handelt sich um eine Lokomotive und ihre Wellendarstellung. Die Logik besagt: Die Lok ist in jedem Punkt der Welle GANZ enthalten (b) wie umgekehrt die GANZE Welle der Lok in jedem Punkt der Lok GANZ enthalten ist (a). Fragen Sie mich nicht, wie dies möglich ist, es ist mathematisch einwandfrei und wird als Fouriertransformation bezeichnet. Für die Logik der Glokalität sollte die Logik der Fouriertransformation ein Vorbild sein. Vielleicht könnte man ihre Wirkungsweise in Bezug auf die Glokalität folgendermaßen verdeutlichen:

Die "Wolke" um den Globus soll die Globalisierung darstellen, die ganz in die Lokalitäten - und vice versa - einwirkt. Es sind bestimmt bessere Darstellungsweisen möglich...

Über die "Logik der Globalisierung" habe ich ein Buch geschrieben, welches ich in den zurückliegenden Jahren bestimmt schon drei Mal umgeschrieben habe. Aufgrund neuer Einsichten steht eine neue Umarbeitung an. Ich kann deshalb vorerst nur ein Kapitel aus diesem Buch sowie einen Vortrag zur Globalisierung anbieten, den ich als MS-PowerPoint-Präsentationen im Jahr 2002 gehalten habe.

Buch zur Globalisierung - Kapitel 1.

Vortrag zur Globalisierung (2002) - Vorsicht ca. 4 5MB!

Hier eine reduzierte Version in pdf-Format - ca. 1,7MB

Mein Ansatz findet Unterstützung in dem Buch von Reinhard Wendt: Vom Kolonialismus zur Globalisierung: Europa und die Welt seit 1500. UTB. 2007

Zu empfehlen ist ebenso Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson: Geschichte der Globalisierung: Dimensionen, Prozesse, Epochen. München. 2007.

Beim Blättern durch mein Buchmanuskript gelangte ich zur Einsicht, dass ich auch Kapitel 2 anbieten könnte. Hier ist es...

Kapitel 2

Eine Abhandlung, die ich vor einigen Jahren im Zusammenhang von Globalisierung, Entwicklungstheorie, Demokratie, Rechtsstaat, individuelle Freiheitsrechte und Private Propery Rights konzipiert habe, finden Sie hier (in English)

Development and Private Property Rights

 

 

Logik der Globalisierung